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Jerry (manchmal auch: Jerome) Oster

Jerry (alias Jerome) Oster

Journalist, Romancier, Dramaturg, Möchtegern-Dichter

Jerome Oster

Geboren 1943 in Carlsbad, New Mexico.

»Schärfe deinen Blick.«

Eine Mahnung des Fotografen Walker Evans. Oder vielleicht auch nicht. Ich habe dieses Zitat recht häufig gelesen, konnte allerdings nie die eigentliche Herkunft klären, ob es wirklich von ihm stammt und in welchem Kontext er es gesagt hat. Wer mir diesbezüglich weiterhilft, hat ein Abendessen bei mir gut.

Und so geht es weiter:

»Es geht darum, sein Auge zu schulen, und mehr noch. Schärfe deinen Blick, schnüffle, höre zu und lausche. Wisse etwas, wenn Du stirbst. Lange bist Du nicht hier.«

Wo lebst du heute?

In Chapel Hill, North Carolina, USA (nach Carlsbad, New Mexico, meinem Geburtsort, Florence, South Carolina, Columbia, South Carolina, Bakersfield, California, Sacramento, California, New York City, Hoboken, New Jersey und schließlich noch Madison in New Jersey).

Und was machst du so?

Nach zwölf Jahren als Journalist, zwölf weiteren Jahren als hauptberuflicher Schriftsteller und zum Schluss zwölf Jahren verantworlich für die Beschaffung von Geldmitteln für eine Universität und in ihrer Presseabteilung bin ich heute … pensioniert.

Welche Hobbys hast du?

Ich fahre Rad, wandern, spiele Tennis, lese, lerne Analysis und Geometrie, höre Musik (Jazz, Techno, moderne E-Musik), sehe gern anspruchsvolle Fernsehsendungen und überhaupt Filme.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

»No Great Mischief« von Alistair MacLeod.

Und dein letzter Kinofilm war …?

»Café de la Flore«, Regie Jean-Marc Vallée.

Welche Musik hast du zuletzt gehört?

Charlotte Gainsbourg, »Stage Whisper«.

Welches Projekt hast du zuletzt beendet?

Ich habe eine neue rechte Hüfte erhalten und musste lernen, damit klarzukommen.

Welche Persönlichkeit aus der Geschichte bewunderst du – und warum?

Lawrence Durrell, Jack Kerouac, Paul Scott, Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway — sie alle haben Literatur geschrieben, die man immer wieder zur Hand nehmen und lesen kann.

Welche Reform hat die Menschheit wirklich ein Stück weitergebracht?

In der jüngeren Vergangenheit — die Schwulenbewegung.

Wer ist dein Held im Alltag?

Meine Frau Trisha, die unermüdlich und äußerst kreativ für NGOs überall in North Carolina arbeitet: Dann auch meine Tochter Lily wegen ihrer Neugier und ihrem großen Einfühlungsvermögen.

Magst du etwas ganz besonders?

Das Meer, Klänge, Seen, Flüsse, Bäche.

Gibt es einen Lieblingsaphorismus?

»In einem Sachbuch erfahren wir praktisch nie, was wirklich geschehen ist. Das Ideal des unverwässerten, unverfälschten Berichts findet man regelmäßig und ausschließlich in der Belletristik, wo der Verfasser ehrlich Bericht erstattet über das, was in seiner Phantasie geschieht …« Janet Malcolm, The Silent Woman.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Bei einem meiner ersten Jobs als Journalist nahm ich an einer Pressekonferenz teil, die vom Vorsitzenden der Gewerkschaft der Arbeiter und Angestellten des öffentlichen Personennahverkehrs gegeben wurde. Der Streik der Gewerkschaft hatte den gesamten U-Bahn- und Busverkehr New Yorks zum Erliegen gebracht. Irgendwie landete ich hinter dem Gewerkschaftsboss und bemerkte, wie er einen seiner Helfer zur Seite schob, damit dieser den Fernsehkameras nicht im Bild stand. Er benutzte gerade mal die Spitze seines kleinen Fingers, um Druck auf den Oberarm des Helfers auszuüben. Niemand außer mir bekam davon etwas mit. Ich schrieb einen ziemlich trockenen Artikel über dieses Ereignis, während ich doch eigentlich nur über diese winzige Geste schreiben wollte. Doch dafür war definitiv kein Platz im tagesjournalismus … und damit erwachte in mir das Verlangen, Belletristik zu schreiben.

Ist Leidenschaft wichtig für dich?

Schreiben war für mich immer ein wenig wie atmen — etwas, das ich einfach tun musste.

Was fällt dir zu Können und Scheitern ein?

Ich denke nicht über Perfektion und solche Dinge nach, deshalb auch nicht über das Scheitern. Ich gebe einfach nur mein Bestes.

Ängste sind …

Ich habe keine.

Gab  es in deinem Leben einen Punkt, an dem du etwas  bereut hast?

Nein.

Geld ist wichtig … Oder nicht?

Es war nett, als ich mir meine Brötchen ausschließlich mit dem Verfassen von Literatur verdienen konnte. Auch als ich journalistisch unterwegs war oder Texte und Reden schreiben musste, um Geldmittel für die Uni zu beschaffen, habe ich nebenbei immer an meinen eigenen Sachen geschrieben. Deshalb würde ich sagen, kreatibv zu bleiben und die Selbstachtung zu behalten war für mich imemr erheblich wichtiger als Geld.

Was fällt dir zu Inspiration und Kreativität ein?

Meine Bücher haben ohne Ausnahme klein angefangen: Ein Gesicht in der U-Bahn, ein kleiner Artikel auf den hinteren Seiten der Tageszeitung, etwas, das irgendwer gesagt hat, ein Film, ein Song. Wenn ich erst einmal die Idee habe, ist es überhaupt kein Ding mehr, eine ganze Welt darum herum zu bauen.

Beschreib uns einen deiner Tage?

… Ich stehe vor Tagesanbruch auf, lese ein paar Seiten in Büchern, die mir helfen, nüchtern zu bleiben, frühstücke (meistens in einem Café um die Ecke), lese die Tageszeitung, lese in dem Buch weiter, in dem ich gerade mittendrin bin, beschäftige mich intensiv mit Mathematik (Geometrie und Analysis), esse zu Mittag, gehe spazieren oder fahre ein wenig mit dem Rad, unter der Woche bereite ich an den meisten Tagen das Abendessen für mich und meine Frau zu, sehe etwas fern auf meinem iPad (dänische, schwedische und belgische Krimis, auch schon mal amerikanische Kopien davon), lese wieder ein paar Seiten aus meinem aktuellen Buch, und um zehn mache ich das Licht aus.

Gemerkt, dass ich mit keiner Silbe das Schreiben erwähnt habe? Der Grund ist ganz simpel: Ich habe heute nichts (mehr) zu sagen. Deshalb.

Was inspiriert dich?

Wie gesagt, ein Gesicht in einer U-Bahn, ein unbedeutender, kleiner Artikel im hinteren Teil der Zeitung, eine beiläufige Bemerkung, ein Film, ein Song …

Hie wichtig sind Medien wie Tageszeitungen, Fernsehen, das Internet für deinen kreativen Prozess?

Wenn’s das alles nicht gäbe – schreiben könnte ich immer noch, auch ohne.

Wenn du dich entscheiden müsstest: Hammett, Chandler, Ambler, Simenon – welcher wäre dein Lieblingsautor? Falls keiner von denen, verrate uns, wer  … und auch warum.

Meine Lieblingsautoren sind Paul Scott, Lawrence Durrell, Alistair MacLeod, Ernest Hemingway und Scott Fitzgerald. Mein Favorit bei den Krimiautoren ist ganz klar … Raymond Chandler.

Gibt es einen guten Rat, einen Tip, den du jemandem geben würdest, der Schriftsteller werden möchte?

Such dir eine Zeit am Tag, zu der du absolut ungestört schreiben kannst, und eigne sie dir komplett an. Während dieser Zeit schreibst du entweder oder tust gar nichts, auf gar keinen Fall jedoch solltest du lesen oder telefonieren. Und vor allen Dingen: Finger weg von Internet und eMail!

Gibt es eine Art Vermächtnis, das du deiner Nachwelt gern hinterlassen möchtest?

Ob es ein Vermächtnis gibt, das ich hinterlassen möchte? Ich habe dreiundzwanzig Bücher geschrieben, glaube ich zumindest, ein abendfüllendes Theaterstück und mehrere kurze Stücke. Außerdem habe ich mich bemüht, Freunden und Familienangehörigen gute Briefe zu schreiben. Das ist mein Vermächtnis.

Romane

Port Wine Stain, 1980, dt. New York Babylon, 1986,
NE 1993, ISBN-13: 978-3499427589, Ü: Werner Waldhoff

Final Cut, 1980
nicht auf Deutsch erschienen

Municipal Bonds, 1981
nicht auf Deutsch erschienen

Sweet Justice, 1985, Lt. Jake Newman
dt. Dschungelkampf, 1995, ISBN-13: 978-3499432149, NE 1998, ISBN-13: 978-3499433160

Rancho Maria (California Dead), 1986, 1988
nicht auf Deutsch erschienen

Saint Mike, 1987
dt. Saint Mike, 1998, ISBN-13: 978-3499429248,
NE 1999, ISBN-13: 978-3499433795, Ü: Kerstin Ruge

Nowhere Man, 1987, Lt. Jake Newman
dt. Nowhere Man, NE 1999, ISBN-13: 978-3499433788, Ü: Martin Hielscher

Club Dead, 1988, Lt. Jake Newman
dt. Kältesturz, 1990, ISBN: 3499429535, NE 1993, ISBN-13: 978-3499429538

Internal Affairs, 1990, Sgt. Joe Cullen
dt. Death Story, 1991, ISBN-13: 978-3499430118
dt. Warum ich?, 2015, ISBN-13: 978-3945684009

Violent Love, 1991, Sgt. Joe Cullen
dt. Violent Love, 1992, ISBN: 9783499430371, NE 1995, ISBN-13: 978-3499430374

Romane

Fixin‘ to Die, 1992, Sgt. Joe Cullen
dt. Dirty Cops, 1994, ISBN-13: 978-3499431084

When the Night Comes, 1993, Sgt. Joe Cullen
dt. Wenn die Nacht kommt, 1994, ISBN: 3499431556,
NE 1998, ISBN-13: 978-3499431555

Experience Blues (als Nick Bell), 1995
dt. True Love, 1996, ISBN-13: 978-3499432354

Nightfall, 1997
dt. Sturz ins Dunkel, 1998, ISBN-13: 978-3499433036, NE 2008, Buchgemeinschaft

Lust, 1998
dt. Wollust, 1999, ISBN-13: 978-3499433346

Kiss Di Foxx Good Night, 1999
dt. Versuchung in Rot, 2000, ISBN-13: 978-3499228084

Alma, 2011
nicht auf Deutsch erschienen

September, 2012
nicht auf Deutsch erschienen

Kurzgeschichten

Höhenangst, 2001
ISBN-13: 978-3921305034 (Hamburger Abendblatt)

Theater, Film, Fernsehen

Lonelyville, 1998, Hörspiel, wdr

Fotoblag auf tumblr (schon etwas älter; aus 2011)

Das „Küstenprojekt“  — Zu Fuß entlang der Küste von North Carolina

Bald mehr.

THE E N D

Ich so …
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